Pflanzliche Schlafmittel: wie gut helfen sie?

Bild für pflanzliche Schlafmittel

Es muss nicht immer gleich Zopiclon oder ein Benzodiazepin sein, wenn es Schlafprobleme zu behandeln gilt. Mutter Natur hat uns viele sanfte pflanzliche Schlafmittel zur Verfügung gestellt, die oft genauso gut helfen wie die chemische Keule.

Schlaf und Gesundheit

„Der Schlaf ist die Nabelschnur, durch die das Individuum mit dem Weltall zusammenhängt“, meinte der deutsche Lyriker Friedrich Hebbel. Dumm nur, wenn sich die Gedanken im Kreis drehen und sich der friedliche Schlummer nicht einstellen will. Die Folgen sind höchst unangenehm: schlechte Laune, fehlende Konzentration und eine geringe Stresstoleranz. Treten die Schlafstörungen über Wochen oder Monate immer wieder auf, leidet zudem das Herz, das Immunsystem, die Verdauung und das Gehirn. Es können Depressionen auftreten und auf lange Sicht erhöht sich sogar das Risiko für Demenz.

Zur Behandlung von Schlafproblemen greifen die Betroffenen viel zu oft auf chemische Wirkstoffe zurück. Von rezeptfreien Produkten wie Schlafsternen oder Hoggar-Night bis hin zu verschreibungspflichtigen Benzodiazepinen und Z-Substanzen reicht das Arsenal der modernen Pharmakologie. Diese Mittel helfen kurzfristig sehr gut, doch auf lange Sicht sind ihre Nachteile größer als der Nutzen. Als Alternative bieten sich sanfte Einschlafhilfen aus der Naturmedizin an, die im direkten Vergleich oft genauso gut wirken, zugleich aber kaum Nebenwirkungen haben und nicht abhängig machen.

Baldrian

Eines der ältesten bekannten Schlafmittel aus der Natur ist der Baldrian. Schon Sebastian Kneipp empfahl diese Pflanze zur Behandlung “aller Formen von nervösen Zuständen, ob im Krampf oder im Schmerz”. Seine wichtigsten Wirkstoffe sind im Öl der Wurzel enthalten. „Es verkürzt die Einschlafphase und verlängert teilweise den Tiefschlaf, ohne das Schlafprofil zu beeinflussen“, urteilte die Stiftung Warentest in einem Vergleich. Allerdings ist Baldrian eher für die langfristige Therapie geeignet; bei akuten Schlafstörungen hilft er nur bedingt.

Passionsblume

Ein weiteres natürliches Schlafmittel ist die Passionsblume. Zubereitungen aus dieser Pflanze sind als “Arzneimittel zur Besserung des Befindens bei nervlicher Belastung und zur Förderung des Schlafes” zugelassen. Viele Erfahrungsberichte weisen darauf hin, dass es auch bei akuten Schlafstörungen hochwirksam ist, wenn es 30 Minuten vor dem Schlafengehen eingenommen wird. Als Monopräparat gibt es apothekenpflichtige Tabletten der Firma Niehaus, die unter dem Namen “Lioran Centra” angeboten werden. Allerdings sollte man hier bei der Dosierung nicht zu großzügig sein. Der Hersteller empfiehlt eine maximale Dosis von zwei Dragees pro Tag. Bei Produkten aus dem Reformhaus oder aus der Drogerie ist es empfehlenswert, sich langsam an die passende Dosis heranzutasten.

Hopfen

Besonders beliebt ist auch der Hopfen, der im Körper für Ruhe sorgt und vor allem das Einschlafen erleichtert. Hopfen ist neben dem Alkohol der Hauptgrund, warum viele Menschen nach dem Konsum von Bier müde werden. Für einen gesunden Schlaf empfiehlt es sich jedoch, die Inhaltsstoffe der Heilpflanze in einer Zubereitung ohne Alkohol zu verwenden.

Melatonin

Bei Vielreisenden ist es oft der Jetlag, der für Schlafprobleme sorgt. Viele Flugbegleiterinnen und Piloten schwören auf die Wirkung des Schlafhormons Melatonin. Dies ist ein Hormon, das der Körper von Natur aus selbst herstellt. Nimmt man es eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen ein, macht sich der Körper für den Schlaf bereit und fährt den gesamten Stoffwechsel zurück. Präparate mit Melatonin gibt es rezeptfrei in Apotheken, Drogerien und manchmal sogar in Supermärkten zu kaufen. Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

Wenn pflanzliche Schlafmittel nicht mehr helfen

Schlafstörungen kommen nicht aus dem Nichts. Oft sind es körperliche oder seelische Grunderkrankungen, die sich negativ auf den Schlafrhythmus auswirken. Wenn pflanzliche Schlafmittel nicht mehr helfen, empfiehlt es sich, einen Arzt zu Rate zu ziehen. Zur symptomatischen Behandlung schwerer Schlafstörungen gibt es eine Reihe von erprobten Wirkstoffen. Viel wichtiger ist es dann jedoch, die den Schlafproblemen zu Grunde liegenden Probleme zu diagnostizieren und entsprechend zu behandeln.

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